![]() Rittersbach im Eltzal ![]() |
Zwei Meisterwerke in Baden?Die Georgskirchen in Reichenau-Oberzell und in RittersbachDie 1886 errichtete neuromanische Basilika in Rittersbach, Gemeinde Elztal (Neckar-Odenwald-Kreis) besitzt eine reiche Ausstattung, darunter eine Kopie des Bildprogrammes der St. Georgskirche in Reichenau-Oberzell mit den acht monumentalen Wunderszenen aus dem Leben Christi, die dort wenige Jahre zuvor aufgedeckt worden waren. Diese Wandmalereien sind ein interessantes Kapitel in der Rezeptionsgeschichte der Oberzeller Wandmalereien. Der Innenraum von St. Georg in Rittersbach wurde 1969/70 stark purifizierend restauriert.Schwere Schäden an den Wandmalereien führten im Jahr 2000 zu einer Bestandsanalyse und zur Aufstellung eines Maßnahmenkonzeptes. 2001/2002 konnten die Malereien durch eine Arbeitsgemeinschaft von drei Restauratoren konserviert werden. Dörthe Jakobs / Ulrike Piper / Günther Dürr / Georg Schmid
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Eine entscheidende Wende
in der Phase der Planungsvorbereitung ist offenbar dem Leiter des Erzbischöflichen
Bauamtes in Mosbach, Bauinspektor Ludwig Maier, zu verdanken. Gegenüber einer
Planvorlage von 1881 mit Baukosten in Höhe von 72.000 Mark vermochte er einen
neuen und vor allem 8.000 Mark billigeren Vorschlag zu unterbreiten, nämlich
eine Kopie der um 896 erbauten Georgskirche von Oberzell auf der Reichenau.
Dass St. Georg auf der Reichenau zu dieser Zeit in aller Munde war, ist der
Entdeckung und Freilegung des bedeutenden Wandmalereizyklus aus dem 10. Jahrhundert
zu verdanken, der als hervorragendstes Denkmal der ottonischen Kunst gilt.
Am 29. Juni 1879 erstattete der damalige Pfarrer Feederle von Oberzell Bericht
über die Entdeckung der Wandmalereien an den Katholischen Oberstiftungsrat.
Die vollständige Freilegung der Wandmalereien vollzog sich mit Winterpausen
und Gerüstumstellung im Zeitraum von Juni 1879 bis Mai 1881. Nach der Aktenlage
im Erzbischöflichen Archiv Freiburg zu urteilen, lag die Arbeit der Freilegung
weitgehend in den Händen von Maurermeister Sauter und Pfarrverweser Feederle.
Franz Baer, ab1880 erzbischöflicher Bauinspektor, war als Sachverständiger
vom Erzbischöflichen Bauamt in Freiburg die Leitung der Arbeiten übertragen
worden. Seine Beteiligung an den Freilegungsarbeiten beschränkte sich jedoch
nachweislich auf nur wenige Tage im Jahr. Als sein „Gehilfe" tritt ein „Architect
Louis Maier" in Erscheinung, der zwischen Mai und Juni 1881 auch mehrfach
Hilfe bei der Herstellung von Pausen der Wandbilder leistete.
An die Stelle der großen
Eingangskonche im Westen von St. Georg in Oberzell tritt in Rittersbach ein
um 2,40 m nach Westen verlängerter Vorraum, der vom Mittelschiff mit einer
doppelten Säulenstellung und drei kleineren Arkadenöffnungen abgetrennt wird
(Abb. 6a, Abb.
6b). Dabei muss offen bleiben, ob man die Westapsis, deren Status in
der Forschung seinerzeit umstritten war, bereits als späteren Anbau einstufte.
Während man also einerseits auf die Oberzeller Westkonche völlig verzichtete,
übernahm man andererseits ihre Portalgestaltung. Mit der schlüssigen Ergänzung
des darüber liegenden Tympanons folgte die Rittersbacher Konzeption dem Forschungsstand
von Friedrich Adler 1870, der sich 1885 auch in Rekonstruktionszeichnungen
von Franz Baer zur Oberzeller Vorhalle niederschlug.
In der Sache ging es
ihm um eine Korrektur der anatomischen Verhältnisse der Figuren und eine
annähernd richtige Perspektive der Architektur, wobei ihm eine „kleine richtige
Abänderung" machbar erschien, ohne den Charakter der Bilder zu beeinträchtigen.
Maier antwortete am 21. Juni 1887: „Bezüglich der Wandgemälde wünschen wir,
daß größere Änderungen gegenüber den Originalen nicht vorgenommen werden".
Eine geringfügige Änderung gegenüber dem Original hatte Maier allerdings
selber zu verantworten, denn die Maße und das Konzept der Westempore gingen
nicht ganz mit den Wandbildern auf. Dass dem Architekten die Grundmaße des
Mittelschiffs wichtig waren, zeigt seine Akribie gegenüber den Seitenschiffen,
die er einfach um 1,60 m schmaler konzipierte. In der Breite des Mittelschiffs
hielt er sich mit 8,40 m an das Vorbild. Die Länge des Mittelschiffes in
Rittersbach misst mit 19,60 m gut einen Meter mehr als in Oberzell. Da man
allerdings in Analogie zur damaligen Situation in Oberzell eine Westempore
plante, auf die Westkonche aber verzichtet hatte, ergaben sich Probleme mit
der Aufteilung der Bildszenen. Diese musste man mit einer Verkürzung der
Bildszenen kompensieren, sofern man verhindern wollte, dass sich die Empore
mit den westlichen Darstellungen überschnitt. Kohlund schaffte dies, indem
er bei sechs Bildszenen jeweils einen Teil der Architekturdarstellung am
Rand kappte, die Darstellung insgesamt aber weitgehend übernahm. Die Höhenmaße
der Bilder sind bis auf 1-2 cm deckungsgleich (228 cm), dagegen variieren
die Breitenmaße gegenüber den Vorbildern zwischen 1 und 36 cm auf der Nordwand
und zwischen 5 und 40 cm auf der Südwand (vgl. Abb. 8a u. 8b). Einen
genauen Plan mit den Maßen schickte er Maier am 21. November 1887.
Einschneidende Veränderungen
erfuhr die Kirche bei einer „Restaurierung" in den Jahren 1969/70, die auf
eine starke Purifizierung des Innenraums zielte. Die Malereien des Chors
wurden reduziert, bevor man sie unter einem Anstrich verschwinden ließ. Die
Dekorationsmalereien in den Seitenschiffen fielen einer Neuverputzung zum
Opfer, die komplett bemalten Decken wurden unter Teilzerstörung von Brettern
und Leisten zugunsten einer holzsichtigen Decke verschalt. Die Ausstattung
wurde entfernt und bis auf wenige Relikte (z. B. Kreuzwegstationen) zerstört.
Auch die gemalte Mosaikimitation im Tympanon, die Maria mit dem Jesuskind
darstellte, fiel der Purifizierung zum Opfer. Zudem entfernte man die beiden
Bankblöcke und ersetzte sie durch einen geschlossenen Bankblock ohne Mittelgang.
Mit diesem, die Geschichte „bereinigenden" Zeitgeschmack wurde ein einheitliches
und geschlossenes Raumkonzept des 19. Jahrhunderts weitgehend zerstört.
Durch schadhafte Kondenswasserrinnen
an den Obergadenfenstern konnte Wasser austreten und hat umfangreiche Schäden
am Malschichtbestand bis in die Arkadenzone verursacht. Neben Wasserläufern
mit Verkrustungen traten Verfärbungen, verschleppte Pigmente sowie verwaschene
Zonen auf. Altere Wasserschäden im Anschluss an den Deckenbereich waren auf
ein undichtes Dach zurückzuführen. Abtauende Schneemassen und starke Schneeverwehungen
hatten zudem im Januar 2002 zu erneuten gravierenden Schäden in Teilbereichen
des oberen Mäanders geführt (Südwand, Abb. 13a
u. b). In diesen Zonen kam es zu einer verstärkten Salzkristallisation,
zu Wasserrändern, Flecken und Schimmelbefall sowie zu weißen Ablagerungen
auf den Malschichten. Neben vollständigen Malschichtabsprengungen durch die
Salzkristallisation kräuselten sich die verbliebenen Malschichten in diesen
Bereichen bis zur Unkenntlichkeit auf.